Knappertsbusch : Die Meistersinger von Nürnberg - Sankt Krispin - WAGNER - 1952 Bayreuth Festival
Richard Wagner
Die Meistersinger von Nürnberg (The Mastersingers of Nuremberg)
year 1952
CAST: Hans Sachs*,cobbler - Otto Edelmann; Walther von Stolzing, knight - Hans Hopf; Eva Pogner - Lisa della Casa; Sixtus Beckmesser*, town clerk - Heinrich Pflanzl; Veit Pogner*, goldsmith - Kurt Boehme; David, apprentice cobbler - Gerhard Unger; Magdalena, Eva's nurse - Ira Malaniuk; Fritz Kothner*, baker - Werner Faulhaber; Kunz Vogelgesang*, furrier - Karl Terkal; Konrad Nachtigall*, tinsmith - Walter Stoll; Balthasar Zorn*, pewterer - Josef Janko; Ulrich Eisslinger*, grocer - Karl Mikorey; Augustin Moser*, tailor - Gerhard Stolze; Herrmann Ortel*, soap maker - Theo Adam; Hans Schwarz, stocking weaver - Heinz Borst; Hans Foltz*, coppersmith - Max Kohl; Nightwatchman - Gustav Neidlinger. (* Member of the Guild of Master Singers) CONDUCTOR: Hans Knappertsbusch with the Bayreuth Festival Orchestra and Chorus.
1 :
Extrait :
Sachs:
...die niemals soll beweinen,
daß Nürenberg mit höchstem Wert
die Kunst und ihre Meister ehrt.
2 :
Fünfte Szene
(Die Vorhänge sind nach der Höhe aufgezogen worden; die Bühne ist verwandelt.
Diese stellt einen freien Wiesenplan, im ferneren Hintergrunde die Stadt Nürnberg. Die Pegnitz schlängelt sich durch den Plan, der schmale Fluß ist an den nächsten Punkten praktikabel gehalten.
Buntbeflaggte Kähne setzen die ankommenden, festlich gekleideten Bürger der Zünfte mit Frauen und Kindern, an das Ufer der Festwiese über. Eine erhöhte Bühne mit Bänken und Sitzen darauf ist rechts zur Seite aufgeschlagen; bereits ist sie mit den Fahnen der angekommenen Zünfte geschmückt; im Verlaufe stecken die Fahnenträger der noch ankommenden Zünfte ihre Fahnen ebenfalls um die Sängerbühne auf so daß diese schließlich nach drei Seiten hin ganz davon eingefaßt ist. Zelte mit Getränken und Erfrischungen aller Art begrenzen im übrigen die Seiten des vorderen Hauptraumes. Vor den Zelten geht es bereits lustig her:
Bürger mit Frauen, Kindern und Gesellen sitzen und lagern daselbst. Die Lehrbuben der Meistersinger, festlich gekleidet, mit Blumen und Bändern reich und anmutig geschmückt, üben mit schlanken Stäben, die ebenfalls mit Blumen und Bändern geziert sind, in lustiger Weise das Amt von Herolden und Marschällen aus. Sie empfangen die am Ufer Aussteigenden, ordnen die Züge der Zünfte und geleiten diese nach der Sängerbühne, von wo aus, nachdem der Bannerträger die Fahne aufgepflanzt, die Zunftbürger und Gesellen sich unter den Zelten zerstreuen. Soeben werden die Schuster am Ufer empfangen und nach dem Vordergrunde geleitet.)
Die Schuster (mit fliegender Fahne aufziehend):
Sankt Krispin, lobet ihn!
War gar ein heilig' Mann,
zeigt', was ein Schuster kann.
Die Armen hatten gute Zeit,
macht' ihnen warme Schuh';
und wenn ihm keiner ‘s Leder leiht,
so stahl er sich's dazu.
Der Schuster hat ein weit Gewissen,
macht Schuhe selbst mit Hindernissen;
und ist vom Gerber das Fell erst weg,
dann streck, streck, streck!
Leder taugt nur am rechten Fleck.
(Die Stadtwächter und Heerhornbläser mit Trompeten und Trommeln sowie die Stadtpfeifer, Lautenmacher usw. ziehen, auf ihren Instrumenten spielend, auf. Ihnen folgen Gesellen mit Kinderinstrumenten.)
Die Schneider (mit fliegender Fahne aufziehend):
Als Nürnberg belagert war
und Hungersnot sich fand,
wär' Stadt und Volk verdorben gar,
war nicht ein Schneider zur Hand,
der viel Mut hatt' und Verstand.
Hat sich in ein Bocksfell eingenäht,
auf dem Stadtwall da spazierengeht
und macht wohl seine Sprünge
gar lustig guter Dinge.
Der Feind, der sieht's und zieht vom Fleck:
der Teufel hol' die Stadt sich weg,
hat's drin noch so lustige Meck-meck-meck!
Meck! Meck! Meck!
Wer glaubt's, daß ein Schneider im Bocke steck'!
Die Bäcker (ziehen mit fliegender Fahne auf):
Hungersnot! Hungersnot!
Das ist ein greulich Leiden!
Gäb' euch der Bäcker nicht täglich Brot,
müßt' alle Welt verscheiden.
Beck! Beck! Beck!
Täglich auf dem Fleck!
Nimm uns den Hunger weg!
Die Schuster (welche ihre Fahne aufgesteckt, begegnen beim Herabschreiten von der Sängerbühne den Bäckern):
Streck! Streck! Streck!
Leder taugt nur am rechten Fleck.
Die Schneider (nachdem die Fahne aufgesteckt, herabschreitend):
Meck! Meck! Meck!
Wer meint, daß ein Schneider im Bocke steck'!
(Ein bunter Kahn mit jungen Mädchen in reicher bäuerischer Tracht kommt an.)
Lehrbuben (laufen nach dem Gestade):
' Herrje! Herrje! Mädel von Fürth!
Stadtpfeifer, spielt, daß's lustig wird!
(Sie heben die Mädchen aus dem Kahn.)
(Das Charakteristische des Tanzes, mit welchem die Lehrbuben und Mädchen zunächst nach dem Vordergrund kommen, besteht darin, daß die Lehrbuben die Mädchen scheinbar nur an den Platz bringen wollen; sowie die Gesellen zugreifen wollen, ziehen die Buben die Mädchen aber immer wieder zurück, als ob sie sie anderswo unterbringen wollten, wobei sie den ganzen Kreis, wie wählend, ausmessen und somit die scheinbare Absicht anmutig und lustig verzögern.)
David (kommt vom Landungsplatz vor und sieht mißbilligend dem Tanze zu):
Ihr tanzt? Was werden die Meister sagen?
(Die Lehrbuben drehen ihm Nasen.)
Hört nicht? - Laß ich mir's auch behagen!
(Er nimmt sich ein junges, schönes Mädchen und gerät im Tanze mit ihr schnell in großes Feuer. Die Zuschauer freuen sich und lachen.)
Einige Lehrbuben (winken David):
David! David! Die Lene sieht zu!
David (läßt das Mädchen erschrocken fahren, um das die Lehrbuben sogleich tanzend einen Kreis schließen. Da er Lene nirgends gewahrt, merkt David, daß er nur geneckt worden, durchbricht den Kreis, erfaßt sein Mädchen wieder und tanzt noch feuriger weiter):
Ach, laßt mich mit euren Possen in Ruh'!
(Die Buben suchen ihm das Mädchen zu entreißen, er wendet sich mit ihr jedesmal glücklich ab, so daß nun ein ähnliches Spiel entsteht wie zuvor, als die Gesellen nach den Mädchen faßten.)
Gesellen (vom Ufer her):
Die Meistersinger!
Lehrbuben:
Die Meistersinger!
(Sie unterbrechen schnell den Tanz und eilen zum Ufer.)
David:
Herrgott! Ade, ihr hübschen Dinger!
(Er gibt dem Mädchen einen feurigen Kuß und reißt sich los.
Die Lehrbuben reihen sich zum Empfang der Meistersinger. Das Volk macht ihnen willig Platz.
- Die Meistersinger ordnen sich am Landungsplatze zum festlichen Aufzuge.
Wenn Kothner im Vordergrunde ankommt, wird die geschwungene Fahne, auf welcher König David mit der Harfe abgebildet ist, von allem Volk mit Hutschwenken begrüßt.
Der Zug der Meistersinger ist nun auf der Singerbühne angelangt, wo Kothner die Fahne aufpflanzt. Pogner, Eva an der Hand führend, diese von festlich geschmückten, reich gekleideten jungen Mädchen, unter denen auch Magdalene, begleitet, voran.
Als Eva, von den Mädchen umgeben, den mit Blumen geschmückten Ehrenplatz eingenommen und alle übrigen, die Meister auf den Bänken, die Gesellen hinter ihnen stehend, ebenfalls Platz genommen, treten die Lehrbuben, dem Volke zugewendet, feierlich vor die Bühne in Reih und Glied.)
Lehrbuben:
Silentium! Silentium!
